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Steigende Schwefelpreise: Wer schnürt der globalen Phosphatdüngerindustrie die „Luft ab“?

In der landwirtschaftlichen Produktion sind Phosphatdünger für das Wachstum und die Entwicklung von Kulturpflanzen von zentraler Bedeutung. Was vielen jedoch nicht bewusst ist: Der Ausgangspunkt der meisten gängigen Phosphatdünger ist häufig ein blassgelber, spröder Kristall oder ein feines Pulver – Schwefel.


Bei einer weltweiten Jahresproduktion von rund 70 Millionen Tonnen stammen etwa 80 % des Schwefels als Nebenprodukt aus der Erdölraffination und der Erdgasaufbereitung, wodurch er eng mit der globalen Energielandschaft verflochten ist. Schwefel fungiert als das „Herz“ der Phosphatdüngerindustrie und liefert eine unverzichtbare Antriebskraft.


In den vergangenen Jahren haben deutliche Schwankungen der globalen Schwefelpreise – wie Steine, die in einen See geworfen werden – Wellen nicht nur in der Düngemittelindustrie, sondern auch weit darüber hinaus ausgelöst. Dieser Beitrag analysiert die zentrale Rolle von Schwefel in der Phosphatdüngerproduktion, zeichnet den Weg von einer Tonne Schwefel bis zum fertigen Düngemittel nach und untersucht, wie die jüngsten Schwefelpreisanstiege jede Stufe der industriellen Wertschöpfungskette tiefgreifend verändern.


I. Die zentrale Triebkraft: Schwefel – mehr als ein „industrielles Vitamin“ für Phosphatdünger

Die moderne industrielle Phosphatdüngerproduktion basiert überwiegend auf dem Nassverfahren zur Herstellung von Phosphorsäure. Der erste und zugleich entscheidende Schritt besteht in der Zersetzung von Phosphatgestein (hauptsächlich Fluorapatit) mit Schwefelsäure, wobei wasserunlöslicher Phosphor in lösliche Phosphorsäure überführt wird. Eine stabile Versorgung mit Schwefelsäure ist somit die Lebensader der Phosphatdüngerproduktion.


Schwefel ist einer der wichtigsten und hochwertigsten Rohstoffe für die Schwefelsäureherstellung. In China dominiert die schwefelbasierte Säureproduktion. Branchenanalysen zufolge entfielen im Jahr 2024 rund 42,5 % der gesamten Schwefelsäureproduktion Chinas auf Schwefel als Rohstoff, und diese Route ist für nahezu alle führenden Phosphatdüngerhersteller die bevorzugte Technologie.


Im Vergleich zur Säureproduktion auf Basis von Pyrit oder anderen Rohstoffen bietet die Schwefelroute mehrere Vorteile: ausgereifte Technologie, geringerer Energieverbrauch, bessere Umweltbilanz sowie die Möglichkeit zur Rückgewinnung von Nebenproduktdampf. Eine typische schwefelbasierte

Schwefelsäureanlage ist nicht nur eine Säurequelle, sondern zugleich ein Energiezentrum, da der rückgewonnene Dampf zur Stromerzeugung oder Wärmeversorgung genutzt werden kann und so den Gesamtenergieverbrauch des Systems deutlich senkt.


Im Kern gilt: Ohne eine stabile und kosteneffiziente Schwefelsäureversorgung wäre eine großskalige, hocheffiziente Phosphatdüngerproduktion nicht möglich. Über die Schwefelsäureherstellung erschließt Schwefel fundamental den Wert des Phosphatgesteins – seine Rolle ist damit unersetzlich.


Doch die Bedeutung von Schwefel reicht weit über Phosphatdünger hinaus. Er wirkt wie ein „industrielles Vitamin“, das zahlreiche Schlüsselbranchen durchdringt und eine Nachfragestruktur aus „traditioneller starrer Nachfrage plus neuem Wachstum“ bildet:


  • Landwirtschaftliche Grundnachfrage:

    Die Phosphatdüngerproduktion ist der größte Anwendungsbereich für Schwefel und verbraucht mehr als die Hälfte der weltweiten Schwefelmenge. Darüber hinaus wird Schwefel zu Schwefelsuspensionen und Kalkschwefellösungen für umweltfreundlichen Pflanzenschutz verarbeitet oder direkt als Schwefelnährstoff dem Dünger zugesetzt, um Böden zu verbessern.


  • Ausgangspunkt des „Lebensblutes“ der chemischen Industrie:

    Rund 40 % des Schwefels werden zur Herstellung von Schwefelsäure verwendet, die wiederum in Produkten wie Titandioxid (3–5 t Schwefelsäure pro Tonne TiO₂) und Caprolactam (Rohstoff für Nylon, ca. 1,2 t Schwefelsäure pro Tonne) eingesetzt wird und umfangreiche chemische Wertschöpfungsketten trägt.


  • Aufstrebender Star der neuen Energien:

    In der Lieferkette von Lithium-Eisenphosphat-(LFP)-Batterien werden pro Tonne Eisenphosphat etwa 1 Tonne Schwefelsäure verbraucht, was das jährliche Nachfragewachstum nach Schwefel in diesem Segment auf über 100 % treibt. Zudem weitet sich die Forschung zu Schwefelanwendungen in Festkörperbatterie-Elektrolyten stetig aus.


  • Weitere Anwendungsfelder:

    Als Vulkanisationsmittel in der Gummiindustrie, pharmazeutischer Wirkstoff (z. B. Schwefelsalben) sowie als zentrales Reagenz in der Hydrometallurgie (etwa bei der Nickel-Kobalt-Verarbeitung in Indonesien) ist Schwefel tief in Industrie und Alltag verankert.


II. Von Schwefel zu Phosphatdüngern: Ein präzises Zusammenspiel von Chemie und Verfahrenstechnik

Der Weg vom gelben Schwefelpulver zu weißen Düngemittelgranulaten umfasst eine eng aufeinander abgestimmte Abfolge chemischer Reaktionen und industrieller Prozesse.


Stufe 1: Von Schwefel zu Schwefelsäure

Dieser Prozess folgt dem klassischen Kontaktverfahren:


  • Verbrennung:

    Fester Schwefel wird in einem Schwefelofen mit Luft verbrannt, wobei Schwefeldioxid (SO₂) entsteht.


  • Konversion:

    Schwefeldioxid reagiert über einen Vanadiumkatalysator mit Sauerstoff zu Schwefeltrioxid (SO₃).


  • Absorption:

    Schwefeltrioxid wird in konzentrierter Schwefelsäure oder Wasser absorbiert, wodurch handelsübliche

    Schwefelsäure (H₂SO₄) entsteht.


Stufe 2: Von Schwefelsäure zu Phosphorsäure (Nassverfahren)

Dies ist die Kernreaktion der Phosphatdüngerproduktion. Konzentrierte Schwefelsäure reagiert mit gemahlenem Phosphatgestein:


Nach der Filtration entstehen Rohphosphorsäure und das Nebenprodukt Phosphorgips. Pro 1 Tonne Phosphorsäure (berechnet als P₂O₅) fallen etwa 4,5–5 Tonnen Phosphorgips an. Die großtechnische und hochwertige Verwertung von Phosphorgips stellt weiterhin eine der größten umwelttechnischen Herausforderungen der Phosphorchemie dar.


Zentrale Mengenrelation:
  • 1 mol Schwefel (32 g) → 1 mol Schwefelsäure (98 g)

  • 1 mol Schwefelsäure → ca. 0,6 mol P₂O₅ (85,2 g)


Daraus ergibt sich, dass 1 Tonne Schwefel theoretisch etwa 2,66 Tonnen reine Schwefelsäure und daraus rund 1,6 Tonnen Phosphorsäure (als P₂O₅) liefern kann. In der Praxis liegen die Erträge aufgrund von Prozessverlusten und Schwankungen der Phosphatgesteinsqualität etwas darunter.


Stufe 3: Von Phosphorsäure zu fertigen Phosphatdüngern

Je nach Reinheitsanforderung wird die Nassphosphorsäure unterschiedlichen Weiterverarbeitungswegen zugeführt:


  • Düngemittel-Phosphorsäure:
    Direkt zur Herstellung von Massenphosphatdüngern.

    • Monoammoniumphosphat (MAP) und Diammoniumphosphat (DAP):

      Durch Neutralisation der Phosphorsäure mit Ammoniak entstehen – je nach Ammoniakdosierung – MAP (NH₄H₂PO₄) oder DAP ((NH₄)₂HPO₄). Sie zählen weltweit zu den am häufigsten eingesetzten hochkonzentrierten Düngern.


  • Industrie-/Lebensmittel-Phosphorsäure:

    Erfordert Reinigungsverfahren (z. B. Lösungsmittel­extraktion) zur Entfernung von Eisen, Aluminium, Magnesium und Fluor.


    • Monokaliumphosphat (MKP):

      Gereinigte Phosphorsäure reagiert mit Kaliumhydroxid oder Kaliumchlorid, nach Kristallisation entsteht KH₂PO₄. MKP ist ein hochwertiger, vollständig wasserlöslicher, chlorfreier Phosphor-Kalium-Dünger für Tropfbewässerung, Blattdüngung und Präzisionslandwirtschaft.


Darüber hinaus kann Schwefel selbst direkt als Nährstoff eingesetzt werden. Patentierte Verfahren erlauben die Zugabe von Schwefelpulver oder wässrigen Schwefeldispersionen in Ammoniumphosphat-Suspensionen, wodurch hochschwefelhaltige Ammoniumphosphatdünger mit synergistischer Phosphor-Schwefel-Wirkung entstehen.


III. Schockwellen der Preisvolatilität: Wie steigende Schwefelpreise die Wertschöpfungskette verändern

Seit 2024 weist der globale Schwefelmarkt ein ausgeprägtes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf, was zu stark steigenden Preisen geführt hat. Bis Anfang Dezember 2025 lagen die chinesischen Spotpreise für festen Schwefel über 160 % über dem Vorjahresniveau. Diese Entwicklung ist das Ergebnis eines Zusammenwirkens aus struktureller Angebotsverknappung und starrer Nachfrage.


Ursachen: Tiefgreifende Neustrukturierung von Angebot und Nachfrage

  • Angebotsknappheit:

    Die globale Schwefelversorgung ist stark konzentriert und befindet sich im Umbruch. Der Nahe Osten (Saudi-Arabien, Katar, VAE) liefert über 35 % der Weltmenge und setzt internationale Referenzpreise. Russland – ehemals größter Exporteur – verzeichnete aufgrund von Raffinerieschäden und eines im November 2025 verhängten Exportverbots einen drastischen Rückgang der Ausfuhren von zuvor rund 7 Mio. t.


    Gleichzeitig treten zentralasiatische Länder wie Kasachstan und Turkmenistan als neue Anbieter auf; die Produktionskosten Kasachstans liegen bei nur 60–70 % des internationalen Durchschnitts. China bleibt trotz einer Jahresproduktion von etwa 12 Mio. t stark importabhängig (47 %).


  • Nachfragestärke:

    China vereint 38 % des weltweiten Schwefelverbrauchs, getragen von zwei Treibern: der traditionellen Phosphatdüngernachfrage und dem explosionsartigen Wachstum neuer Energiesektoren wie LFP-Batterien sowie der indonesischen Nickelverarbeitung im Nassverfahren (≈30 t Schwefelsäure pro Tonne Nickel).


Preisrealität: Quantifizierter Kostenschock

  • Katar: FOB 400–420 USD/t (November 2025, +140–180 % YTD)

  • China: 3.800–4.000 RMB/t Spotpreis (+150 %+)

  • Kasachstan (Import über Alashankou): CIF 180–210 USD/t


Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette: Kostenweitergabe und struktureller Wandel

Bereich

Auswirkungen

Phosphatdüngerhersteller

Rascher Kostenanstieg, Margendruck, niedrigere Auslastung, steigendes Interesse an alternativen Säurerouten und Phosphorgips-Recycling

Landwirtschaft & Ernährungssicherheit

Höhere Düngemittelpreise erhöhen die Produktionskosten der Landwirte; anhaltende Produktionskürzungen könnten die Versorgung in Hochsaisons gefährden

Verwandte Industrien

Titandioxid-, Caprolactam- und andere schwefelsäureintensive Branchen stehen unter Margendruck

Schwefelmarkt selbst

Hohe Preise dämpfen die Nachfrage; Kaufzurückhaltung, sinkende Auslastungsraten, Suche nach neuem Gleichgewicht

Ausblick

Die meisten Institutionen erwarten, dass die Schwefelpreise in der zweiten Hälfte 2025 volatil, aber auf hohem Niveau bleiben. Saisonale Düngernachfrage sowie winterlicher Dampfbetrieb stützen die Preise, während die schwache Profitabilität der Abnehmer einen natürlichen Preisanstieg begrenzt. Die gesamte Wertschöpfungskette muss sich auf ein neues Normal eines relativ teuren Schwefels einstellen.


IV. Schlussfolgerung

Schwefel, scheinbar ein gewöhnlicher chemischer Rohstoff, ist in Wahrheit ein zentrales Bindeglied zwischen Rohstoffen, Energie, Chemie und Landwirtschaft. Über die Schwefelsäure verwandelt er Phosphatgestein aus dem Untergrund in Nährstoffe, die das globale Ernährungssystem tragen. Im Kontext der Energiewende und neuer Industrien wird das Schwefel-Angebots-Nachfrage-Gefüge grundlegend neu geformt.


Die Geschichte des Schwefels zu verstehen bedeutet nicht nur, die industrielle Grundlage einer Schüssel Reis zu erkennen, sondern auch das komplexe Zusammenspiel von Ressourcen, Kosten und industrieller Sicherheit in der Weltwirtschaft. Effizienzsteigerungen (z. B. Phosphorgips-Recycling) und neue Wege der Schwefelbeschaffung werden entscheidend sein, um dieser anhaltenden „Schwefel-Herausforderung“ zu begegnen.



 

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