Internationaler Wochenbericht zum globalen Düngemittelmarkt (19.–26. Januar 2026)
- Camille W.

- vor 4 Tagen
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I. Executive Summary
Mit dem Eintritt in die zweite Januarhälfte 2026 bewegt sich der globale Düngemittelmarkt insgesamt innerhalb eines strukturellen Rahmens, der durch „hohe Kostenunterstützung + ein enges Angebots-Nachfrage-Gleichgewicht“ gekennzeichnet ist.
Im chinesischen Markt bleiben Phosphatdünger unter dem doppelten Einfluss von Versorgungs- und Preisstabilisierungsmaßnahmen sowie anhaltend hohen Rohstoffkosten auf einem hohen, stabilen Niveau. Die Kalipreise zeigen einen stetigen Aufwärtstrend, gestützt durch niedrige Lagerbestände und eine zunehmende Konzentration des verfügbaren Angebots. Schwefel hat sich als der kritischste und einflussreichste Kostentreiber entlang der gesamten Düngemittel-Wertschöpfungskette etabliert.
Auf dem internationalen Markt haben sich die Harnstoffpreise auf ein neues Hochpreisniveau verlagert, die Preisbenchmarks für Phosphatdünger haben sich insgesamt nach oben verschoben, und der mittelfristige Angebots-Nachfrage-Ausblick für Kali verbessert sich weiter. Gleichzeitig ist die Handelsaktivität auf dem europäischen Markt aufgrund von Unsicherheiten im Zusammenhang mit kohlenstoffbezogenen Regulierungen deutlich zurückgegangen, was die Marktverunsicherung und die Verhandlungsfriktionen verstärkt.
II. Überblick über den chinesischen Markt
2.1 Phosphatdünger: Hochpreisige Schwankungen bei insgesamt stabiler TendenzMit Stand vom 26. Januar setzt der chinesische Phosphatdüngermarkt seinen stabilen Betrieb auf hohem Preisniveau fort.
Monoammoniumphosphat (MAP 10-45-0)
Der durchschnittliche Preis im inländischen Hauptmarkt bewegt sich weiterhin im Bereich von CNY 3.870–3.900/ton, mit begrenzter kurzfristiger Volatilität.
Diammoniumphosphat (DAP)
Die Preise für 64 % granuliertes DAP liegen im Allgemeinen im Bereich von CNY 4.100–4.400/ton, wobei deutliche regionale Preisunterschiede bestehen.
Zentrale Einflussfaktoren:
Versorgungs- und Preisstabilisierungsmaßnahmen als wirksame „Preisobergrenze“
Seit Dezember 2025 betonen die zuständigen Behörden kontinuierlich die Sicherstellung einer stabilen Düngemittelversorgung während der Frühjahrsaussaat. Große Phosphatdüngerhersteller haben koordinierte Maßnahmen zur Preisstabilisierung und Versorgungssicherung umgesetzt, wodurch irrationale Preisanstiegserwartungen wirksam gedämpft wurden.
Hohe Rohstoffkosten als stabile „Preisuntergrenze“
Die Preise für Schwefel und Phosphatgestein verbleiben auf hohem Niveau, was zu starren Produktionskosten führt und das Abwärtsrisiko der Phosphatdüngerpreise begrenzt.
Vorsichtiges Einkaufsverhalten auf der Nachfrageseite
Da die Frühjahrsaussaat noch nicht vollständig begonnen hat, verfolgen nachgelagerte Hersteller von Mischdüngern und Händler überwiegend eine gestaffelte, bedarfsorientierte Beschaffungsstrategie, wodurch das Transaktionsvolumen insgesamt relativ stabil bleibt.
Kurzfristige Einschätzung:Bis zum Abschluss der Frühjahrsaussaat dürften sich die Phosphatdüngerpreise weiterhin innerhalb eines durch „politische Preisobergrenze + Kostenuntergrenze“ definierten Korridors bewegen, wobei eine hochpreisige Seitwärtskonsolidierung dominiert.
2.2 Stickstoffdünger: Stabile Harnstoffpreise, globaler Markt erreicht neues PlateauDie inländischen Harnstoffpreise in China schwanken weiterhin in einer engen Bandbreite unter Kostendruck, wobei das Gesamtangebot relativ ausreichend ist, jedoch ohne ausgeprägten Abwärtsimpuls.
Auf dem internationalen Markt, beeinflusst durch geopolitische Faktoren und Exportbeschränkungen:
FOB-Preise für granulierten Harnstoff im Nahen Osten liegen stabil bei USD 420–430/ton;
CFR-Preise in Brasilien und Südostasien bewegen sich überwiegend im Bereich von USD 430–440/ton.
Während der Frühjahrsaussaat wird das Exporttempo Chinas für Harnstoff voraussichtlich weiterhin kontrolliert bleiben, sodass sich die angespannte globale Versorgungslage kurzfristig kaum entspannen dürfte.
2.3 Kalidünger: Angebotsknappheit und Anhebung des Preisniveaus(1) Chinesischer Markt
Die inländische Kaliproduktion ist im Jahresvergleich zurückgegangen, wobei ein größerer Teil der Produktion direkt an nachgelagerte Mischdüngerhersteller geliefert wird;
Die Hafenlagerbestände bleiben niedrig, was zu einer stärkeren Konzentration der verfügbaren Spotmengen führt;
Begrenzte handelbare Volumina stützen weiterhin einen stetigen Preisanstieg.
(2) Internationaler Markt
Im Jahr 2025 wurden weltweit keine nennenswerten neuen Kalikapazitäten in Betrieb genommen;
Die Nachfrage bleibt in wichtigen Verbraucherländern wie China, Indien und Brasilien robust;
Neue Kapazitäten kommen nur langsam auf den Markt, bei gleichzeitig relativ hohen Grenzkosten;
Vor dem Hintergrund hoher Preise für Stickstoff- und Phosphatdünger weist Kali einen klaren Kosten-Nutzen-Vorteil auf, was Erwartungen an Substitutionsnachfrage unterstützt.
Preisvergleich (CFR):
Brasilien & Südostasien: USD 360–380/ton
Indonesien, Q2-Ausschreibungen: USD 400–408/ton
Insgesamt bleiben die Fundamentaldaten des globalen Kalimarktes angespannt und bieten eine solide mittelfristige Preisstütze.
III. Globale Angebots- und Nachfragestruktur im Kalimarkt
(Ergänzende Analyse: Angebotsrhythmus und Kostenuntergrenze)
Keine wirksamen neuen globalen Kapazitäten im Jahr 2025;
Begrenzte Kapazitätserweiterungen in den Jahren 2026–2027 (insgesamt rund 3 Mio. Tonnen);
Die Grenzkosten neuer Projekte liegen in der Regel über USD 250/ton FOB.
Preisvergleich (CFR):
Brasilien & Südostasien: USD 360–380/ton
Indonesien, Q2-Ausschreibungen: USD 400–408/ton
Trendeinschätzung:Im Vergleich zu Stickstoff- und Phosphatdüngern bietet Kali ein attraktiveres Kosten-Leistungs-Verhältnis. In den kommenden 2–3 Jahren ist weiterhin ein strukturelles Nachfragewachstum über den Erwartungen möglich.
IV. Schwefel: Zentrale Risikokomponente in der Düngemittel-Wertschöpfungskette
Zu Beginn des Jahres 2026 hat sich Schwefel zum einflussreichsten vorgelagerten Rohstoff in der Düngemittelindustrie entwickelt.
Die internationalen FOB-Preise für Schwefel steigen weiter; Marktinstitutionen prognostizieren für 2026 ein mögliches Preisniveau von CNY 5.000–6.000/ton;
Die inländischen Schwefelpreise ziehen parallel an;
Neue Angebotskapazitäten sind begrenzt, während die nachgelagerte Nachfrage (aus Phosphatdüngern und neuen Energiewerkstoffen) weiter wächst, was zu einer ausgeprägten Angebots-Nachfrage-Lücke führt;
Zusätzliche Nachfrage: rund 3,29 Mio. Tonnen pro Jahr.
Der Preisanstieg bei Schwefel hat sich bereits deutlich auf nachgelagerte Produkte wie Phosphat- und Mischdünger übertragen und stellt einen zentralen Stützfaktor für das Düngemittelpreisniveau dar.
V. Europäischer Markt: CBAM-Unsicherheit führt zu einem „Handelsstillstand“
Seit Januar 2026 wurden innerhalb der EU praktisch keine realen Transaktionen für Harnstoff- und Phosphatdünger abgeschlossen;
Landwirte und Lieferanten konnten sich nicht auf tragfähige Preismechanismen einigen;
Es besteht erhebliche Unsicherheit darüber, ob CBAM-Maßnahmen rückwirkend angewendet werden.
Auswirkungen auf die Branche:
Der Düngemittelsektor weist eine hohe „Kohlenstoffwert-Intensität“ auf und reagiert daher besonders sensibel auf die Umsetzung von CBAM;
Hersteller haben Schwierigkeiten abzuschätzen, ob und in welchem Umfang zusätzliche Kosten an nachgelagerte Marktstufen weitergegeben werden können;
Das Marktvertrauen wurde erheblich geschwächt, und der Düngemittelhandel ist nahezu zum Stillstand gekommen.
VI. Mischdünger: Patt zwischen steigenden Kosten und Widerstand der Endnachfrage
Der chinesische Markt für Mischdünger ist derzeit von einer klaren Pattsituation geprägt:
Die Preise für vorgelagerte Rohstoffe (Harnstoff und Schwefel) steigen weiter und treiben die Produktionskosten nach oben;
45 % (15-15-15) chloridbasierter Mischdünger: CNY 2.700/ton, ein Anstieg von 17,6 % im Jahresvergleich;
Nachgelagerte landwirtschaftliche Betriebe zeigen nur eine begrenzte Akzeptanz hoher Preise, mit schwacher Bevorratungsneigung;
Die Auslastung liegt bei etwa 45 %, unter dem Vorjahresniveau, und die Hersteller agieren bei neuen Preisstellungen zurückhaltend.
In einigen Regionen sind Preisumkehrungen aufgetreten, was den Lager- und Liquiditätsdruck auf Händler erhöht.
Endverbraucher tendieren zunehmend dazu:
den Einsatz von Mischdüngern zu reduzieren;
auf individuell abgestimmte Mischungen aus Einzelnährstoffdüngern umzusteigen.
VII. Marktausblick (1–2 Monate)
Die Nachfrage im Rahmen der Frühjahrsaussaat dürfte sich schrittweise entfalten und dem Markt eine grundlegende Unterstützung bieten;
Politische Maßnahmen werden weiterhin übermäßige Preisschwankungen begrenzen;
Die Entwicklung der Schwefelpreise bleibt der entscheidende Einflussfaktor für Phosphat- und Mischdünger;
Die Kalipreise dürften angesichts niedriger Lagerbestände und einer starken internationalen Nachfrage widerstandsfähig bleiben.
Insgesamt bleibt die Wahrscheinlichkeit starker Preissteigerungen oder -rückgänge kurzfristig gering. Vielmehr ist mit einer Fortsetzung der hochpreisigen Seitwärtsbewegung zu rechnen.
Gesamtbewertung
Der globale Düngemittelmarkt tritt in eine neue Phase ein, die durch „hohe Kosten, hohe Preise, niedrige Lagerbestände und eine geringe Störungstoleranz“ gekennzeichnet ist. Die Preisvolatilität dürfte zunehmen, doch die Grundlage für einen nachhaltigen Abwärtstrend bleibt schwach.




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