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Huminsäuren, Aminosäuren, Fischprotein oder Algenextrakte - welche sind die besten?

Auf dem heutigen Markt gibt es eine wachsende Vielfalt sogenannter „neuer Generation“ wasserlöslicher Düngemittel und funktioneller Zusatzstoffe – Huminsäuren, Aminosäuren, Fischprotein-Hydrolysate, Algenextrakte und weitere Produkte. Viele Landwirte haben Schwierigkeiten, diese Produkte voneinander zu unterscheiden, und selbst manche Händler oder Hersteller können ihre Unterschiede nicht klar erklären.


Tatsächlich handelt es sich bei diesen Produkten nicht um klassische „Nährstoffdünger“ im traditionellen Sinne. Sie stammen aus unterschiedlichen Quellen und wirken über unterschiedliche Mechanismen. Die meisten gehören zur Kategorie der Biostimulanzien oder bioaktiven organischen Substanzen. Sie wirken als Effizienzsteigerer von Düngemitteln, Bodenverbesserer oder pflanzenphysiologische Regulatoren – nicht als direkte Lieferanten großer Mengen an Stickstoff, Phosphor oder Kalium.


Nach international anerkannten Definitionen:

  • Die FAO und die Europäische Kommission definieren Biostimulanzien als Stoffe, die vor allem die Nährstoffnutzungseffizienz verbessern, die Stressresistenz erhöhen und die Produktqualität unterstützen – jedoch nicht primär große Mengen an Nährstoffen liefern.

  • Die EU-Verordnung Regulation (EU) 2019/1009 erkennt Pflanzen-Biostimulanzien als eigenständige Produktkategorie mit spezifischen regulatorischen Anforderungen an.


In der landwirtschaftlichen Praxis werden Huminsäuren, Aminosäuren, Fischproteine und Algenextrakte häufig eingesetzt als:

  • Substrat- oder Bodenadditive

  • Wurzelstimulatoren

  • Bodenverbesserer

  • pflanzenphysiologische Regulatoren (im praktischen Sinne)

  • Komponenten von Blattdüngern

  • Anti-Stress-Mittel (Kälte, Trockenheit, Salzstress etc.)

  • Effizienzsteigerer für Mehrnährstoffdünger


Im Folgenden erfolgt eine systematische Einordnung.


1. Huminsäure-Dünger

1.1 Herkunft und Herstellung

Huminsäuren werden überwiegend aus Rohstoffen wie Braunkohle, Torf oder verwitterter Kohle gewonnen. Durch unterschiedliche Extraktions- oder Aufbereitungsverfahren entstehen Produkte mit hohem Gehalt an Huminstoffen, häufig kombiniert mit Stickstoff, Phosphor, Kalium und Spurenelementen.

Sie können als organisch-mineralische Kombinationsprodukte betrachtet werden und tragen zur Bodenverbesserung, Nährstoffverfügbarkeit und Pflanzenentwicklung bei.


1.2 Zentrale Wirkmechanismen

(1) Verbesserung der Stickstoffeffizienz

Huminsäuren können Ammoniumionen adsorbieren und dadurch Ammoniakverluste reduzieren.


(2) Verbesserung der Phosphoreffizienz

Sie können die Fixierung wasserlöslichen Phosphors im Boden reduzieren und dessen Verfügbarkeit verlängern.


(3) Verbesserung der Kaliumeffizienz

Huminsubstanzen können Kaliumionen speichern, Auswaschung reduzieren und in bestimmten Fällen die Freisetzung aus kaliumhaltigen Mineralien unterstützen.


(4) Verbesserung der Spurenelementverfügbarkeit

Durch Komplexbildung können schwerlösliche Spurenelemente pflanzenverfügbarer werden.


(5) Indirekte Bodenverbesserung

  • Verbesserung der Bodenstruktur

  • Erhöhung der Wasserspeicherfähigkeit

  • Steigerung der Kationenaustauschkapazität (CEC)

  • pH-Regulierung


2. Fischprotein-Dünger

2.1 Definition

Fischprotein-Dünger werden durch enzymatische oder mikrobielle Hydrolyse von Fisch- oder Meeresnebenprodukten hergestellt. Dabei entstehen niedermolekulare Peptide und Aminosäuren.


Sie werden als Flüssigdünger, Blattdünger oder wasserlösliche Produkte eingesetzt.


2.2 Typische Wirkungen

  1. Zuführung bioaktiver organischer Substanzen

  2. Förderung der Bodenmikrobiologie

  3. Aktivierung von Nährstoffen im Boden

  4. Verbesserung der Stressresistenz


In den letzten Jahren sind durch verbesserte Verarbeitungstechnologien die Produktionskosten gesunken.


3. Aminosäure-Dünger

3.1 Herkunft

Aminosäuren stammen aus der Hydrolyse pflanzlicher oder tierischer Proteine. Sie sind ein wichtiger Bestandteil organischer Stickstoffformen im Boden.


3.2 Wirkmechanismen

Aminosäuren dienen als:

  • organische Stickstoffquelle

  • Chelatbildner für Metallionen

Sie können Spurenelemente wie Ca, Mg, Zn, Fe, Mn etc. komplexieren und so deren Aufnahme verbessern.


3.3 Eigenschaften

  1. Schnelle Wirkung

  2. Besonders geeignet für Blattapplikation

  3. Verbesserung der Mikronährstoffaufnahme

  4. Unterstützung physiologischer Prozesse


4. Algenextrakte (Algen-Dünger)

4.1 Herkunft

Algenextrakte werden aus Meeresalgen (z. B. Braunalgen) durch biotechnologische Verfahren gewonnen.


4.2 Inhaltsstoffe

  • Alginsäure

  • Polysaccharide

  • Mannitol

  • hormonähnliche Substanzen

  • Mineralstoffe


4.3 Typische Vorteile

  1. Förderung der Zellteilung

  2. Verbesserung der Stressresistenz

  3. Förderung der Wurzelentwicklung

  4. Aktivierung nützlicher Bodenmikroorganismen

  5. Verbesserung physikalisch-chemischer Bodeneigenschaften

  6. Gute Kombinierbarkeit mit anderen Düngern


5. Vergleichstabelle

Kriterium

Huminsäure

Aminosäuren

Fischprotein

Algenextrakt

Rohstoffquelle

Braunkohle, Torf

Protein-Hydrolysate

Marine Fischproteine

Meeresalgen

Hauptbestandteile

Huminsäure, Fulvosäure

Freie Aminosäuren, Peptide

Peptide, Aminosäuren

Alginate, Polysaccharide

Hauptwirkung

Bodenverbesserung

Schnelle Nährstoffaufnahme

Mikrobielle Aktivierung

Stressresistenz, Wurzelstimulation

Anwendung

Grunddüngung, Fertigation

Blattdüngung

Fertigation

Blatt- oder Tropfanwendung

Wirkgeschwindigkeit

Mittel

Schnell

Mittel

Schnell

Stressresistenz

Mittel

Mittel

Mittel

Hoch

Besonders geeignet für Grunddüngung

Sehr gut

Mittel

Gut

Mittel

6. Wie wählt man die passende Lösung?

Es gibt kein universell „bestes“ Produkt – nur das jeweils am besten geeignete für die konkrete agronomische Zielsetzung.


Praxisorientierte Auswahl:

  • Verdichtete Böden, geringe organische Substanz → Huminsäuren

  • Schnelle Korrektur von Spurenelementmängeln → Aminosäuren

  • Qualitätsorientierte oder ökologische Produktion → Fischprotein

  • Trockenheit, Kälte, Salzstress oder Transplantationsstress → Algenextrakte


Eine ausgereifte Düngestrategie basiert auf folgendem Prinzip:

Mineralische Nährstoffe bilden die Grundlage, funktionelle Biostimulanzien dienen als Steuerungsinstrumente.


Diese Produkte entfalten ihre beste Wirkung im Rahmen eines integrierten, ausgewogenen Nährstoffmanagements – nicht als alleinige Lösung.


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