Huminsäuren, Aminosäuren, Fischprotein oder Algenextrakte - welche sind die besten?
- Camille W.

- vor 10 Stunden
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Auf dem heutigen Markt gibt es eine wachsende Vielfalt sogenannter „neuer Generation“ wasserlöslicher Düngemittel und funktioneller Zusatzstoffe – Huminsäuren, Aminosäuren, Fischprotein-Hydrolysate, Algenextrakte und weitere Produkte. Viele Landwirte haben Schwierigkeiten, diese Produkte voneinander zu unterscheiden, und selbst manche Händler oder Hersteller können ihre Unterschiede nicht klar erklären.
Tatsächlich handelt es sich bei diesen Produkten nicht um klassische „Nährstoffdünger“ im traditionellen Sinne. Sie stammen aus unterschiedlichen Quellen und wirken über unterschiedliche Mechanismen. Die meisten gehören zur Kategorie der Biostimulanzien oder bioaktiven organischen Substanzen. Sie wirken als Effizienzsteigerer von Düngemitteln, Bodenverbesserer oder pflanzenphysiologische Regulatoren – nicht als direkte Lieferanten großer Mengen an Stickstoff, Phosphor oder Kalium.
Nach international anerkannten Definitionen:
Die FAO und die Europäische Kommission definieren Biostimulanzien als Stoffe, die vor allem die Nährstoffnutzungseffizienz verbessern, die Stressresistenz erhöhen und die Produktqualität unterstützen – jedoch nicht primär große Mengen an Nährstoffen liefern.
Die EU-Verordnung Regulation (EU) 2019/1009 erkennt Pflanzen-Biostimulanzien als eigenständige Produktkategorie mit spezifischen regulatorischen Anforderungen an.
In der landwirtschaftlichen Praxis werden Huminsäuren, Aminosäuren, Fischproteine und Algenextrakte häufig eingesetzt als:
Substrat- oder Bodenadditive
Wurzelstimulatoren
Bodenverbesserer
pflanzenphysiologische Regulatoren (im praktischen Sinne)
Komponenten von Blattdüngern
Anti-Stress-Mittel (Kälte, Trockenheit, Salzstress etc.)
Effizienzsteigerer für Mehrnährstoffdünger
Im Folgenden erfolgt eine systematische Einordnung.
1. Huminsäure-Dünger
1.1 Herkunft und Herstellung
Huminsäuren werden überwiegend aus Rohstoffen wie Braunkohle, Torf oder verwitterter Kohle gewonnen. Durch unterschiedliche Extraktions- oder Aufbereitungsverfahren entstehen Produkte mit hohem Gehalt an Huminstoffen, häufig kombiniert mit Stickstoff, Phosphor, Kalium und Spurenelementen.
Sie können als organisch-mineralische Kombinationsprodukte betrachtet werden und tragen zur Bodenverbesserung, Nährstoffverfügbarkeit und Pflanzenentwicklung bei.
1.2 Zentrale Wirkmechanismen
(1) Verbesserung der Stickstoffeffizienz
Huminsäuren können Ammoniumionen adsorbieren und dadurch Ammoniakverluste reduzieren.
(2) Verbesserung der Phosphoreffizienz
Sie können die Fixierung wasserlöslichen Phosphors im Boden reduzieren und dessen Verfügbarkeit verlängern.
(3) Verbesserung der Kaliumeffizienz
Huminsubstanzen können Kaliumionen speichern, Auswaschung reduzieren und in bestimmten Fällen die Freisetzung aus kaliumhaltigen Mineralien unterstützen.
(4) Verbesserung der Spurenelementverfügbarkeit
Durch Komplexbildung können schwerlösliche Spurenelemente pflanzenverfügbarer werden.
(5) Indirekte Bodenverbesserung
Verbesserung der Bodenstruktur
Erhöhung der Wasserspeicherfähigkeit
Steigerung der Kationenaustauschkapazität (CEC)
pH-Regulierung
2. Fischprotein-Dünger
2.1 Definition
Fischprotein-Dünger werden durch enzymatische oder mikrobielle Hydrolyse von Fisch- oder Meeresnebenprodukten hergestellt. Dabei entstehen niedermolekulare Peptide und Aminosäuren.
Sie werden als Flüssigdünger, Blattdünger oder wasserlösliche Produkte eingesetzt.
2.2 Typische Wirkungen
Zuführung bioaktiver organischer Substanzen
Förderung der Bodenmikrobiologie
Aktivierung von Nährstoffen im Boden
Verbesserung der Stressresistenz
In den letzten Jahren sind durch verbesserte Verarbeitungstechnologien die Produktionskosten gesunken.
3. Aminosäure-Dünger
3.1 Herkunft
Aminosäuren stammen aus der Hydrolyse pflanzlicher oder tierischer Proteine. Sie sind ein wichtiger Bestandteil organischer Stickstoffformen im Boden.
3.2 Wirkmechanismen
Aminosäuren dienen als:
organische Stickstoffquelle
Chelatbildner für Metallionen
Sie können Spurenelemente wie Ca, Mg, Zn, Fe, Mn etc. komplexieren und so deren Aufnahme verbessern.
3.3 Eigenschaften
Schnelle Wirkung
Besonders geeignet für Blattapplikation
Verbesserung der Mikronährstoffaufnahme
Unterstützung physiologischer Prozesse
4. Algenextrakte (Algen-Dünger)
4.1 Herkunft
Algenextrakte werden aus Meeresalgen (z. B. Braunalgen) durch biotechnologische Verfahren gewonnen.
4.2 Inhaltsstoffe
Alginsäure
Polysaccharide
Mannitol
hormonähnliche Substanzen
Mineralstoffe
4.3 Typische Vorteile
Förderung der Zellteilung
Verbesserung der Stressresistenz
Förderung der Wurzelentwicklung
Aktivierung nützlicher Bodenmikroorganismen
Verbesserung physikalisch-chemischer Bodeneigenschaften
Gute Kombinierbarkeit mit anderen Düngern
5. Vergleichstabelle
Kriterium | Huminsäure | Aminosäuren | Fischprotein | Algenextrakt |
Rohstoffquelle | Braunkohle, Torf | Protein-Hydrolysate | Marine Fischproteine | Meeresalgen |
Hauptbestandteile | Huminsäure, Fulvosäure | Freie Aminosäuren, Peptide | Peptide, Aminosäuren | Alginate, Polysaccharide |
Hauptwirkung | Bodenverbesserung | Schnelle Nährstoffaufnahme | Mikrobielle Aktivierung | Stressresistenz, Wurzelstimulation |
Anwendung | Grunddüngung, Fertigation | Blattdüngung | Fertigation | Blatt- oder Tropfanwendung |
Wirkgeschwindigkeit | Mittel | Schnell | Mittel | Schnell |
Stressresistenz | Mittel | Mittel | Mittel | Hoch |
Besonders geeignet für Grunddüngung | Sehr gut | Mittel | Gut | Mittel |
6. Wie wählt man die passende Lösung?
Es gibt kein universell „bestes“ Produkt – nur das jeweils am besten geeignete für die konkrete agronomische Zielsetzung.
Praxisorientierte Auswahl:
Verdichtete Böden, geringe organische Substanz → Huminsäuren
Schnelle Korrektur von Spurenelementmängeln → Aminosäuren
Qualitätsorientierte oder ökologische Produktion → Fischprotein
Trockenheit, Kälte, Salzstress oder Transplantationsstress → Algenextrakte
Eine ausgereifte Düngestrategie basiert auf folgendem Prinzip:
Mineralische Nährstoffe bilden die Grundlage, funktionelle Biostimulanzien dienen als Steuerungsinstrumente.
Diese Produkte entfalten ihre beste Wirkung im Rahmen eines integrierten, ausgewogenen Nährstoffmanagements – nicht als alleinige Lösung.




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