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Harnstoff oder CAN?

Harnstoff und Calciumnitrat-Ammonium (CAN) sind beide Stickstoffdünger.Worin unterscheiden sich ihre Stickstoffwirkungen – und wie trifft man in der Praxis die richtige Wahl?


Im heutigen Agrarinput-Markt schenken immer mehr Händler und Landwirte dem Calcium Ammonium Nitrate (CAN) erhöhte Aufmerksamkeit. In bestimmten Anwendungssituationen wird CAN sogar teilweise eingesetzt, um klassischen Harnstoff bei der Kopfdüngung zu ersetzen.


Doch worin liegen die grundlegenden Unterschiede zwischen Harnstoff und Calciumammoniumnitrat?Welcher Dünger liefert die „bessere“ Stickstoffversorgung?Und wie sollten Landwirte unter unterschiedlichen Kulturen und Umweltbedingungen eine fundierte Entscheidung treffen?


Um diese Fragen zu beantworten, ist ein systematischer Vergleich erforderlich – unter Berücksichtigung von Stickstoffform, Wirkungsgeschwindigkeit, Temperaturabhängigkeit, Nachwirkung, Dünger­stabilität sowie praktischen Anwendungsszenarien.


I. Stickstoffgehalt und Stickstoffformen

Hohe Konzentration vs. mehrere Stickstoffformen

Obwohl sowohl Harnstoff als auch Calciumammoniumnitrat Stickstoffdünger sind, unterscheiden sie sich grundlegend hinsichtlich Stickstoffgehalt und Stickstoffform.


• Harnstoff

  • Gesamtstickstoffgehalt: ca. 46 %

  • Stickstoffform: 100 % Amidstickstoff

  • Einordnung: Feststoff-Stickstoffdünger mit dem höchsten Stickstoffgehalt pro Gewichtseinheit in der modernen Landwirtschaft


• Calcium Ammonium Nitrate (CAN)

  • Gesamtstickstoffgehalt: typischerweise 15–15,5 %

  • Stickstoffformen: Nitratstickstoff + Ammoniumstickstoff (Doppelform)

  • Zusatznutzen: enthält einen gewissen Anteil Calcium (Ca)


Einordnung: Der Hauptvorteil von Harnstoff liegt in seiner hohen Stickstoffkonzentration, während CAN ein mehrformiger, schnell wirksamer Stickstoffdünger ist, der eine rasche Stickstoffverfügbarkeit mit zusätzlicher Nährstoffversorgung kombiniert.


II. Wirkungsgeschwindigkeit

Schnell verfügbarer Stickstoff vs. umwandlungsabhängiger Stickstoff

Nach der Ausbringung in den Boden unterscheiden sich beide Dünger deutlich in ihrem Aktivierungsmechanismus:


• Calcium Ammonium Nitrate

  • Enthält Nitratstickstoff, der direkt von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden kann

  • Löst sich schnell und hat einen kurzen Aufnahmeweg

  • Führt kurz nach der Kopfdüngung zu sichtbaren Wachstumsreaktionen


• Harnstoff

  • Muss im Boden zunächst durch Urease-Aktivität in Ammoniumstickstoff umgewandelt werden

  • Der Stickstoff wird anschließend von den Pflanzen aufgenommen oder weiter nitrifiziert

  • Die Wirksamkeit hängt stark von der mikrobiellen Aktivität im Boden ab


Fazit: In Situationen, in denen eine schnelle Stickstoffversorgung und eine rasche Erholung der Pflanzenentwicklung erforderlich sind, wirkt Calciumammoniumnitrat deutlich schneller als Harnstoff.


III. Temperaturabhängigkeit

Unterschiede sind besonders bei niedrigen Temperaturen ausgeprägt

Die tatsächliche Wirksamkeit von Stickstoffdüngern hängt nicht nur von der Aufwandmenge ab, sondern in hohem Maße auch von den Umweltbedingungen, insbesondere der Temperatur.


• Harnstoff

  • Stark temperaturabhängig

  • Bei niedrigen Temperaturen (z. B. im frühen Frühjahr oder bei Kälterückfällen) verlangsamt sich die Stickstoffumwandlung deutlich

  • Mit steigenden Temperaturen beschleunigt sich die Stickstofffreisetzung spürbar


• Calcium Ammonium Nitrate

  • Überwiegend nitratbasiert und nicht auf mikrobielle Umwandlung angewiesen

  • Bleibt auch bei niedrigen Temperaturen gut pflanzenverfügbar

  • Zeigt eine höhere Stabilität der Düngewirkung


Praxis-Hinweis: Im frühen Frühjahr, im geschützten Anbau oder bei starken Temperaturschwankungen bietet CAN klare Vorteile beim Start des Pflanzenwachstums.


IV. Nachwirkung und Nährstoffstabilität

Kurzfristige Stimulation vs. nachhaltige Versorgung

Hinsichtlich der Wirkungsdauer zeigen die beiden Dünger deutliche Unterschiede:


• Harnstoff

  • Erfordert eine Umwandlungsphase

  • Gibt Stickstoff vergleichsweise langsam frei

  • Besitzt eine längere Nachwirkung

  • Eignet sich besser für eine kontinuierliche Stickstoffversorgung über eine Wachstumsphase


• Calcium Ammonium Nitrate

  • Stickstoff liegt in schnell wirksamer Form vor

  • Anfälliger für Auswaschung durch Bewässerung oder Niederschläge

  • Besitzt eine kürzere Wirkungsdauer


Daher eignet sich CAN eher für die sofortige Ergänzung, während Harnstoff besser zur mittelfristigen Nährstoffabsicherung eingesetzt wird.


V. Stickstoffverluste – ein zentraler Punkt für die Praxis

In der praktischen Anwendung ist es entscheidend, die unterschiedlichen Verlustmechanismen zu kennen:

• Harnstoff

  • Kann bei unsachgemäßer Anwendung zu Ammoniakverlustrisiken führen

• Calcium Ammonium Nitrate

  • Nitratstickstoff ist nicht flüchtig

  • Das Hauptrisiko besteht in der Auswaschung bei hoher Bodenfeuchte


Wichtiger Hinweis:Calciumammoniumnitrat ist nicht „instabil“, stellt jedoch höhere Anforderungen an das Wassermanagement.


VI. Lagerung und physikalische Stabilität
  • Beide Dünger sind in gewissem Maße hygroskopisch

  • Harnstoff wird häufig mit Antiverklumpungs- oder Beschichtungstechnologien behandelt und weist in der Regel eine bessere Lagerstabilität auf

  • Calciumammoniumnitrat ist stärker hygroskopisch; längere Lagerung unter warmen und feuchten Bedingungen kann zu Verklumpung führen und die gleichmäßige Ausbringung beeinträchtigen


VII. Wissenschaftlich fundierte Anwendungsempfehlungen

✔ CAN eignet sich besonders für

  • Schnellen Feldaufgang und rasche Wiederherstellung der Pflanzenvitalität

  • Kopfdüngung im frühen Frühjahr oder bei niedrigen Temperaturen

  • Gewächshauskulturen sowie Obst- und Gemüsebau mit schneller Stickstoffreaktion

  • Kurzfristige bzw. Notfall-Stickstoffversorgung


✔ Harnstoff eignet sich besonders für

  • Grunddüngung oder kontinuierliche Stickstoffversorgung in mittleren bis späten Wachstumsphasen

  • Böden mit niedriger Grundstickstoffversorgung

  • Konventionelle Anbausysteme mit hohem Fokus auf Kostenkontrolle


⚠ Hinweise zur Anwendung von CAN

  • Nicht empfohlen für überstaute oder geflutete Reisanbausysteme

  • Hohe Aufwandmengen vor Starkregen vermeiden

  • Nicht als alleinige langfristige Stickstoffquelle einsetzen


VIII. Fazit

Es gibt keinen „besseren“ Dünger – nur den besser geeigneten

Harnstoff und Calciumammoniumnitrat sind keine Ersatzprodukte, sondern zwei Stickstoffdünger mit unterschiedlicher funktionaler Ausrichtung.


  • Harnstoff steht für eine hochkonzentrierte, langanhaltende und kosteneffiziente Stickstofflösung

  • Calciumammoniumnitrat steht für eine schnell wirksame, kälteunabhängige und präzise steuerbare Stickstoffversorgung


In der modernen Landwirtschaft erzielt eine strategische Kombination und phasenabhängige Anwendung, angepasst an Kulturstadium, Temperatur und Wassermanagement, häufig einen deutlich höheren Nutzen als der ausschließliche Einsatz eines einzelnen Stickstoffdüngers.


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