Harnstoff oder CAN?
- Camille W.

- vor 20 Stunden
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Harnstoff und Calciumnitrat-Ammonium (CAN) sind beide Stickstoffdünger.Worin unterscheiden sich ihre Stickstoffwirkungen – und wie trifft man in der Praxis die richtige Wahl?
Im heutigen Agrarinput-Markt schenken immer mehr Händler und Landwirte dem Calcium Ammonium Nitrate (CAN) erhöhte Aufmerksamkeit. In bestimmten Anwendungssituationen wird CAN sogar teilweise eingesetzt, um klassischen Harnstoff bei der Kopfdüngung zu ersetzen.
Doch worin liegen die grundlegenden Unterschiede zwischen Harnstoff und Calciumammoniumnitrat?Welcher Dünger liefert die „bessere“ Stickstoffversorgung?Und wie sollten Landwirte unter unterschiedlichen Kulturen und Umweltbedingungen eine fundierte Entscheidung treffen?
Um diese Fragen zu beantworten, ist ein systematischer Vergleich erforderlich – unter Berücksichtigung von Stickstoffform, Wirkungsgeschwindigkeit, Temperaturabhängigkeit, Nachwirkung, Düngerstabilität sowie praktischen Anwendungsszenarien.
I. Stickstoffgehalt und Stickstoffformen
Hohe Konzentration vs. mehrere Stickstoffformen
Obwohl sowohl Harnstoff als auch Calciumammoniumnitrat Stickstoffdünger sind, unterscheiden sie sich grundlegend hinsichtlich Stickstoffgehalt und Stickstoffform.
• Harnstoff
Gesamtstickstoffgehalt: ca. 46 %
Stickstoffform: 100 % Amidstickstoff
Einordnung: Feststoff-Stickstoffdünger mit dem höchsten Stickstoffgehalt pro Gewichtseinheit in der modernen Landwirtschaft
• Calcium Ammonium Nitrate (CAN)
Gesamtstickstoffgehalt: typischerweise 15–15,5 %
Stickstoffformen: Nitratstickstoff + Ammoniumstickstoff (Doppelform)
Zusatznutzen: enthält einen gewissen Anteil Calcium (Ca)
Einordnung: Der Hauptvorteil von Harnstoff liegt in seiner hohen Stickstoffkonzentration, während CAN ein mehrformiger, schnell wirksamer Stickstoffdünger ist, der eine rasche Stickstoffverfügbarkeit mit zusätzlicher Nährstoffversorgung kombiniert.
II. Wirkungsgeschwindigkeit
Schnell verfügbarer Stickstoff vs. umwandlungsabhängiger Stickstoff
Nach der Ausbringung in den Boden unterscheiden sich beide Dünger deutlich in ihrem Aktivierungsmechanismus:
• Calcium Ammonium Nitrate
Enthält Nitratstickstoff, der direkt von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden kann
Löst sich schnell und hat einen kurzen Aufnahmeweg
Führt kurz nach der Kopfdüngung zu sichtbaren Wachstumsreaktionen
• Harnstoff
Muss im Boden zunächst durch Urease-Aktivität in Ammoniumstickstoff umgewandelt werden
Der Stickstoff wird anschließend von den Pflanzen aufgenommen oder weiter nitrifiziert
Die Wirksamkeit hängt stark von der mikrobiellen Aktivität im Boden ab
Fazit: In Situationen, in denen eine schnelle Stickstoffversorgung und eine rasche Erholung der Pflanzenentwicklung erforderlich sind, wirkt Calciumammoniumnitrat deutlich schneller als Harnstoff.
III. Temperaturabhängigkeit
Unterschiede sind besonders bei niedrigen Temperaturen ausgeprägt
Die tatsächliche Wirksamkeit von Stickstoffdüngern hängt nicht nur von der Aufwandmenge ab, sondern in hohem Maße auch von den Umweltbedingungen, insbesondere der Temperatur.
• Harnstoff
Stark temperaturabhängig
Bei niedrigen Temperaturen (z. B. im frühen Frühjahr oder bei Kälterückfällen) verlangsamt sich die Stickstoffumwandlung deutlich
Mit steigenden Temperaturen beschleunigt sich die Stickstofffreisetzung spürbar
• Calcium Ammonium Nitrate
Überwiegend nitratbasiert und nicht auf mikrobielle Umwandlung angewiesen
Bleibt auch bei niedrigen Temperaturen gut pflanzenverfügbar
Zeigt eine höhere Stabilität der Düngewirkung
Praxis-Hinweis: Im frühen Frühjahr, im geschützten Anbau oder bei starken Temperaturschwankungen bietet CAN klare Vorteile beim Start des Pflanzenwachstums.
IV. Nachwirkung und Nährstoffstabilität
Kurzfristige Stimulation vs. nachhaltige Versorgung
Hinsichtlich der Wirkungsdauer zeigen die beiden Dünger deutliche Unterschiede:
• Harnstoff
Erfordert eine Umwandlungsphase
Gibt Stickstoff vergleichsweise langsam frei
Besitzt eine längere Nachwirkung
Eignet sich besser für eine kontinuierliche Stickstoffversorgung über eine Wachstumsphase
• Calcium Ammonium Nitrate
Stickstoff liegt in schnell wirksamer Form vor
Anfälliger für Auswaschung durch Bewässerung oder Niederschläge
Besitzt eine kürzere Wirkungsdauer
Daher eignet sich CAN eher für die sofortige Ergänzung, während Harnstoff besser zur mittelfristigen Nährstoffabsicherung eingesetzt wird.
V. Stickstoffverluste – ein zentraler Punkt für die Praxis
In der praktischen Anwendung ist es entscheidend, die unterschiedlichen Verlustmechanismen zu kennen:
• Harnstoff
Kann bei unsachgemäßer Anwendung zu Ammoniakverlustrisiken führen
• Calcium Ammonium Nitrate
Nitratstickstoff ist nicht flüchtig
Das Hauptrisiko besteht in der Auswaschung bei hoher Bodenfeuchte
Wichtiger Hinweis:Calciumammoniumnitrat ist nicht „instabil“, stellt jedoch höhere Anforderungen an das Wassermanagement.
VI. Lagerung und physikalische Stabilität
Beide Dünger sind in gewissem Maße hygroskopisch
Harnstoff wird häufig mit Antiverklumpungs- oder Beschichtungstechnologien behandelt und weist in der Regel eine bessere Lagerstabilität auf
Calciumammoniumnitrat ist stärker hygroskopisch; längere Lagerung unter warmen und feuchten Bedingungen kann zu Verklumpung führen und die gleichmäßige Ausbringung beeinträchtigen
VII. Wissenschaftlich fundierte Anwendungsempfehlungen
✔ CAN eignet sich besonders für
Schnellen Feldaufgang und rasche Wiederherstellung der Pflanzenvitalität
Kopfdüngung im frühen Frühjahr oder bei niedrigen Temperaturen
Gewächshauskulturen sowie Obst- und Gemüsebau mit schneller Stickstoffreaktion
Kurzfristige bzw. Notfall-Stickstoffversorgung
✔ Harnstoff eignet sich besonders für
Grunddüngung oder kontinuierliche Stickstoffversorgung in mittleren bis späten Wachstumsphasen
Böden mit niedriger Grundstickstoffversorgung
Konventionelle Anbausysteme mit hohem Fokus auf Kostenkontrolle
⚠ Hinweise zur Anwendung von CAN
Nicht empfohlen für überstaute oder geflutete Reisanbausysteme
Hohe Aufwandmengen vor Starkregen vermeiden
Nicht als alleinige langfristige Stickstoffquelle einsetzen
VIII. Fazit
Es gibt keinen „besseren“ Dünger – nur den besser geeigneten
Harnstoff und Calciumammoniumnitrat sind keine Ersatzprodukte, sondern zwei Stickstoffdünger mit unterschiedlicher funktionaler Ausrichtung.
Harnstoff steht für eine hochkonzentrierte, langanhaltende und kosteneffiziente Stickstofflösung
Calciumammoniumnitrat steht für eine schnell wirksame, kälteunabhängige und präzise steuerbare Stickstoffversorgung
In der modernen Landwirtschaft erzielt eine strategische Kombination und phasenabhängige Anwendung, angepasst an Kulturstadium, Temperatur und Wassermanagement, häufig einen deutlich höheren Nutzen als der ausschließliche Einsatz eines einzelnen Stickstoffdüngers.




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